LOMA
Ein Duo, Posttraumatische Unterhaltungsmusik, 1995 - 2008


Recorded in Studio Electric Avenue, Hamburg by Zlaya, Thomas Mahringer and Tobias Levin
Mixes and Mastering by Thies Mynther in Cloud Hill Recordings, Hamburg
Poljska Recorded and Mixed by Ted Geier in Sterne-Studio, Hamburg
All music made by LOMA


LOMA:
Guitar, Voice, Keyboard: Adnan Softić
Drums, Voice: Jons Vukorep




Lomas Kraft liegt darin, den Ausbruch anzudeuten, aber letztlich doch verweigern. Punk-Vergangenheit und Abstrakt-Art-Zukunft, slawische Folklore und Ami-Noise, Liebe und Hiebe bündelt das Hamburger Duo zu einem sperrigen Festkörper. (…)

Jan Möller


Wenn jemand sich spontan etwas unter den Begriffen Musik, Kunst und „Slawische Seele“ vorstellen möchte, würde dabei wahrscheinlich so etwas wie Gothic und Laibach herauskommen. (…)
Aber wie klingt so eine Band, die nicht umhin will, mit ihrer „Slawischen Seele“ eine Bresche in die Musik zu schlagen, dabei aber kunst-mäßigen Verzwickungen widersteht und die Achtziger Jahre die Achtziger sein läßt? LOMA hat einen Weg gefunden, dem zuzuhören ebenso spannend wie unterhaltend im beste Wortesinne ist. Sie spielen mit Schlagzeug und Gitarre - meist beginnt die Gitarre mit einem kaffeesatzdickem Thema, aus dem weiche Akkorde wie dickflüssige Sahne herausquillen und dem Song die richtige Konsistenz verleihen. Die sind oft Akkorde, die teilweise jahrhundertealten Volksliedern entliehen sind und mit der Art des durchgehenden, geradlinigen, kaum eine Seite auslassenden Anschlags an Undurchdringlichkeit kaum zu überbieten sind. Hier haben wir es nicht mit Rock zu tun oder mit der Anstrengung, dem Publikum ein besonders knackiges, abwechslungsreiches, mit Breaks nur so übersätes Set zu präsentieren - es geht bei LOMA um eine fast nervöse Anspannung, die sich in vielen Stücken durch eine ebenso aufsässige wie radikale Einfachheit auf - und zu entladen weiß. Minimalistisch sind die Stücke nicht nur wegen der fehlenden, aber nicht vermißten Parts und Breaks, sondern auch wegen des obsessiven Beharrens auf einem einzigen Spannungszustand, der das Stück rund und fett macht. Die Stücke sind instrumental, nur Shoutings unterbrechen den Fluß scharf mit auch den in der traditionellen Musik üblichen artikulierten Gefühlausbrüchen, auch Gepfiffen wird dann und wann, bevor es zu angenehm wird, weil der Hörer es sich im aufgeladenen Zustand gemütlich gemacht hat.
Die Gitarre und das die Cremigkeit der Akkorde scharf wie ein Konditormesser zerschneidende Schlagzeug haben sich zur Aufgabe gemacht, repetetiv an eine einzige, selten über mehr als zwei Takte gehende Idee ein Szenario von Sturm und Drang, Krieg und Frieden, Kabale und Liebe zu schmiegen, ohne das beklemmende und aufgemotzte Bog Rock- Sentimentalitäten zu erinnern. Dabei werden die Mittel, mit denen Gewaltigkeit in der Musik normalerweise vermittelt wird, einfach weglassen oder umgedreht: mit kleinen einfachen Bissen den größten Genuß erzielen.
Und schließlich: LOMA heißt in der Sarajevoer Umgangsprache „wenig“. Es kommt vom Wort „Malo“.

Elena Lange





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