



SO & SO
D/BA 1999, 10", Video, Farbe
Kurzbeschreibung
„Eine fiktive Dokumentation über die angeblichen Verbrechen Vaters und die Mitschuld der Mutter.“
Stabliste:
Regie, Produktion, Schnitt: Adnan Softić
Kamera: Frank Henne
Darsteller: Adnan , Esma, Sulejman Softić, Frank Henne
Kurzbeschreibung
„Eine fiktive Dokumentation über die angeblichen Verbrechen Vaters und die Mitschuld der Mutter.“
Stabliste:
Regie, Produktion, Schnitt: Adnan Softić
Kamera: Frank Henne
Darsteller: Adnan , Esma, Sulejman Softić, Frank Henne
Weitere Beschreibungen
„Softić bringt den Zuschauer zunächst in die Situation des außen stehenden Betrachters, der anscheinend eine Funktion in einem medialen Racheakt erfüllt. Dann erfährt man, dass in diesem Film nichts ist, wie es scheint. - Adnan Softićs Videoarbeit "Ground Control" (Deutschland 2009) ist eine filmische Reflexion über Manipulation und Authentizität im Film.“
3sat
Die filmische Arbeit von Adnan Softić ist nicht einfach zu beschreiben, entzieht sie sich doch den gängigen Genres des Dokumentarischen wie Fiktiven. Sie verschränken sich auf schillernde Weise, hebeln sich aus. Zusammengehalten weden die Filme durch einfache "autobiografische" Erzählungen, die sich aber wiederum als fiktiv herausstellen (oder doch nicht?). Ein Methodenbewußtsein, das auch mit der breiten künstlerischen Erfahrungen des Autors zu tun hat.
Die vielfach gebrochene Doppelbödigkeit ist sicherlich auch Ort und Zeit ihrer Entstehung geschuldet: Bosnien nach der Zeit des Bürgerkrieges, die nichts unverändert, glaubhaft gelassen hat. Nur durch Ambivalenz vermag der Filmemacher einer Wirklichkeit gerecht werden, in der nicht nur physisch kein Stein auf dem anderen geblieben ist.
Methodenvielfalt ist aber auch durchaus Tradition in einer Kultur, die so viele Einflüsse, Überlagerungen und Unterdrückungen erfahren hat. Eine Komplexität, die (um in der Moderne zu bleiben) bei Malern (wie Šeika), bei Schrifstellerin (wie Danilo Kiš), aber auch bei filmischen Vorgängern wie Dušan Makavejev zu finden ist.
Sie entspricht auch der Reflexionsebene des modernen Films, in dem die "Strategien des Authentischen" hinterfragt werden und das Fiktive sich, wie bei den dänischen Dogma-Filmern, aus der Realtiät zu erneuern trachtet. In dieser Weise verbindet A. Softić seine spezifische bosnische Erfahrung mit reflektierten Ausdrucksmitteln - wie er generell Intensität von Erfahrung mit hoher Intellektualität zu verbinden weiß.
Gerd Roscher
Statement
„Ich erinnere mich, es sind einige Jahre her, wie der Dalai Lama verwundert war als ihm Richard Gere erzählte, dass es nicht real sei, wenn er eine Rolle spielt. Der Dalai Lama wiederholte: „es ist nicht real“ und lachte. So wie er das sonst tut. Angenehm und laut.
Das wäre ein Kommentar.“ - Ground Control
„So und so“ war ein Film oder besser gesagt ein Zustand in dem nichts unerschütterlich war. So auch die Glaubwürdigkeit nicht und auch ihre Grundpfeiler nicht: Dokumente und Zeugnisse. Sie bilden vielleicht den einzig möglichen ausserideologischen Konsens. Sie sind Verweise auf etwas Wahrhaftiges, Objektives. Was passiert wenn jemand mit ihnen spielt und der Zweifel über sie kommt? Ich dachte, in dem man sie angreift, schützt man sie vor den Schlägen der Beliebigkeit. Oder dass man damit zumindest eine neue Verbindung zur Wahrheit herstellt.
Im Film herrscht ein Gefühl in dem nichts mehr stimmt und fast alles möglich ist. Eine Offenbarung der Bodenlosigkeit und willkürlichen Manipulierbarkeit. Das Interessante war, dass auch einige Zuschauer und sogar die Presse, trotz meiner wiederholten Äußerungen, dass der Film eine Fiktion ist, dass es um die künstlerische Suche nach Wahrheit geht, die Fiktionalität der Geschichte angezweifelt haben und auf den „Dokument“ pochten. Aber gerade das hat mich damals interessiert: der Moment, wenn das Ganze, kurz vor einem Abgrund steht, voll von diversen Möglichkeiten und Wirrwarrs und wo sogar wir selbst in diesen Abgrund jederzeit hineinstürzen können.
Nun, stellt sich die Frage gibt es ein danach, nach dieser Erfahrung der Bloßstellung des Vertrauten? Was kommt nach einer grundlegenden formalistischen Kritik? Wie funktioniert der Blick 10 Jahre später? Über diesen Moment ginge es mir im „Ground Control“. Gefilmt wurde ich in meiner Wohnung 10 Jahre danach. Das besondere dabei ist, dass der gesamte Film in einem Dokumentarfilm zitiert wird. Auf diese Weise bekommt die Fiktion endlich ihren dokumentaristischen Charakter und wird zum Dokument. Zwei gänzlich unterschiedliche Zeitschichten, die einander begegnen, sind Ergebnis dieser Arbeit.
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