NEMA PROBLEMA / ES GIBT KEIN PROBLEM
Film 16mm, 18 Min., 2002


Beschreibung

Der Tag an dem der Filmemacher von einer Seeigel gestochen wurde. Ein junger Mann springt vom Felsen ins Meer und schwimmt. Beim Rauskommen aus dem Wasser hilft ihm ein Unbekannter. Sie unterhalten sich eine Weile. Er beschließt nach Hause zu gehen. Auf dem Weg nach Hause ist er mit seinen Gedanken beschäftigt. Zu Hause liest er zusammen mit seinen Eltern. Er telefoniert, die Mutter schneidet das Gemüse. Der Vater ist am Grill. Sie schauen die Nachrichten. Der Vater findet, dass dieser Film zu einseitig erzählt wird. Nach den Nachrichten gibt es Essen; zuerst Suppe, dann Fisch mit Gemüse und als Nachspeise Kuchen, Wassermelone und Kaffee. Der Sohn informiert die Eltern, dass er von einem Seeigel gestochen wurde. Beim Kaffeetrinken wird ihm der Stachel herausgeholt. Die Mutter freut sich vor allem über den Besuch des Sohnes.

Stabliste:

Kamera: Tilman Przyrembbel
Ton: Daniel Matzke
Assistenz: Peter Steckroth
Austattung: Samira Softić
Musik: Ratko Danilović & dado
Schnitt: Adnan Softić
Darsteller: Sulejman, Esma & Adnan Softić, Sead Pandur
Drehbuch: Adnan Softić & Daniel Matzke
Regie: Adnan Softić

© kinolom - Adnan Softić

















Weitere Beschreibungen

(...) Seine Sensibilität, sein genauer Blick für Spuren, der an kleinen, scheinbar privaten oder marginalen Phänomenen die Physiognomie des Ganzen entzifferbar macht, kennzeichnet seine Film- und Video-Arbeiten.
Aus einem Konflikt kommend: als katastrophisches Ineinander von Bürgerkrieg und Integration, sind Genauigkeit des Blicks, insistierendes Nachdenken und Intensität der Bildfindungen für Adnan Softić nicht zuletzt existentielle Notwendigkeit. So untersucht er in einem Film, den er in seiner Heimat und bei seiner Familie drehte, ein zunächst völlig belanglos scheinendes Ereignis, an das er sich erinnern konnte, nämlich eine Verletzung, die er sich bei einem früheren Besuch zugezogen hatte. Deren Geschichte nun rekonstruiert sein Film. Es führt uns in seine Familie ein, in ihren Alltag, in dessen Verrichtungen und Stimmungen. Dabei scheint in den Bildern mit äußerster Subtilität das Motiv der Verletzung auf alles überzuspringen, was uns der Film zu sehen gibt. Suggestiv operiert der Film mit dem Motiv der Zeit, indem er die Erinnerung zur Gegenwart werden lässt und mit der Möglichkeit einer Verletzung auch Horizonte von Zukunft öffnet. Ohne dass je ein mahnender Zeigefinger erhoben würde, erscheint der Alltag damit wie von Hohlräumen unterzogen, schwebend gleichsam und fragil. Dies lässt den privaten Kontext reißen und öffnet ihn zum Allgemeinen hin.
Immer wieder kommen Adnan Softićs künstlerische Arbeiten auf diese Bedrohtheit des vermeintlich Vertrauten und scheinbar Gesicherten zurück. Sie machen erlebbar, daß nichts garantiert ist, und darin sprechen sie von einer bestimmten "Schwere" der Situation. Aber zugleich tun diese Arbeiten das auf eine leichte, oft sogar unbeschwert scheinende Art und Weise. Jeglicher Moralismus ist ihnen fremd. Denn noch die Moral muss sich der Frage ihrer eigenen Möglichkeit aussetzen; sie ist ungesichert wie alles andere. Und dies korrespondiert der genauen, prüfenden, durch nichts zu beruhigenden Bildfindung, durch die sich die Arbeiten Adnan Softićs auszeichnen.

Prof. Dr. Hans-Joachim Lenger

Statement

Ich nahm eine Sequenz aus meinem Leben – eine Videoaufnahme, wie meine Eltern mir einen Stachel herausholen. Ich versuchte zu beschreiben wie es dazu gekommen ist. Der Vorgang ist der selbe wie wenn ein Wissenschaftler einen Probe entnimmt, d.h. einen beliebigen Teil des Meeres herauspickt um zu beschreiben woraus es besteht. In diesem Fall, kommt ein Portrait oder eine Hommage heraus.
Als erstes entdecken wir, dass zwischen dem Stich und der Heilung keine klare Kausalität existiert, im Gegenteil. Die Figur durchdringt gänzlich verschiedene Bereiche, die jedes mal auf eine andere Art verbunden sind und eine andere Gesetzlichkeit aufweisen: Er steigt aus dem Wasser, ohne zu merken, dass er gestochen worden ist; dann spricht er mit einer unbekannten Person; auf dem nach Hause weg befindet er sich in einer autistischen Welt voller Emotionen und Erinnerungen etc..

Der Titel „Es gibt kein Problem“ ist das was aus diesem unübersichtlichen Gewebe resultiert - das was dem Geist zulässt so etwas als nicht problematisch zu kategorisieren. Anderseits ist es eine Assoziation auf die mögliche Problematik. Ausserdem interessierte mich der Moment wenn der Mensch einen Fremdkörper in sich trägt. Diese Traumametapher mit einem Happy End in dem die Eltern ihren verletzten (und verlorenen) Sohn retten ist eine zusätzliche Ebene mit der der Film arbeitet. Der Film mischt fiktiven und dokumentarischen Charakter und hebt damit die Ambivalenz zwischen eines Ereignisses und seine Interpretation hervor.
Etymologische Bedeutung des Wortes Apokalypse ist Offenbarung oder Enthüllung. Ihre symbolische: Krieg, Hunger, Krankheit und Tod. Zwei scheinbar paradoxe Lesearten. Ich denke, dass der Film auf eine subtile Art diese Beziehung zusammenlesen lässt.



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